Orya barbarica

Beschreibung

Orya barbarica ist eine der seltenen Geophilomorpha, die durch ihre Größe, ihr Verhalten und ihre auffällige Färbung einen interessanten Terrarienpflegling darstellen.

Sie besitzt 107 bis 125 Beinpaaren, ihre Körperfärbung reicht von hell- bis nussbraun, während die Beine charakteristisch violett gefärbt sind.

Zur Verteidigung sondert sie ein stark riechendes Abwehrsekret ab, das gelblich, zähflüssig ist und von speziellen Drüsen in kleinen Tröpfchen abgegeben wird. Beim Kontakt mit Luft beginnt dieses Sekret zu kristallisieren, wobei durch den Einfluss von Sauerstoff eine grüne Lumineszenz entsteht.

Orya barbarica Orya barbarica
Orya barbarica Orya barbarica

Überblick

Wissenschaftlicher Name: Orya barbarica Gervais, 1835
Größe: 15-17cm
Verbreitung: Nord Africa (Marokko, Algerien, Tunesien) und (Süd) Spanien
Klimazone: subtropisch

Systematik

Stamm: Myriapoda
Klasse: Chilopoda
Ordnung: Geophilomorpha
Familie: Oryidae
Unterfamilie: Himantarioidea
Gattung: Orya

Verhalten

Lebensweise: Orya barbarica in nachtaktiv und lebt tagsüber im Erdreich, unter Mulch, Holz und Steinen. Sie bewegt sich meist in engen Spalten und selbst gegrabenen Gängen fort. Die Art ist äußerst lichtscheu: Helles Licht führt zum sofortigen Rückzug.
Temperament: Bei Störung versucht Orya barbarica zunächst zu fliehen, setzt dann aber ihr Abwehrsekret ein. Insgesamt zeigt die Art ein eher verstecktes, ruhiges Verhalten.

Terrarienhaltung

Anspruch: Leichte Haltung
Geeignet für: Anfänger
Orya barbarica zeigt kein ausgeprägtes Verhalten von innerartlicher Aggression oder Kannibalismus und konnte erfolgreich in kleinen Gruppen sowie paarweise in ausreichend großen Behältern gemeinsam gehalten werden.

Terrarium

Größe: 20x20x20cm oder 5,8l BraPlast Dose für ein Einzeltier
Belüftung: Doppelbelüftung.
Der Behälter sollte gut gesichert sein, da sich die Tiere stark strecken können und in der Lage sind, sich durch sehr feine Ritzen und Spalten zu zwängen.

Substrat

Zusammensetzung: 50% Torf / 30% Lehm / 20% Sand
Substrathöhe: 15cm hoch, leicht angedrückt
Substratfeuchtigkeit: Trocken, einmal die Woche eine Ecke des Behälters leicht anfeuchten.

Klima

Abkühlung auf 12°C für 4-6 Wochen entsprechend der Herkunft empfehlenswert.
Temperatur: 20-28°C
Rel. Luftfeuchtigkeit: 70-80%

Dekoration

Versteckmöglichkeiten in Form von Rindenstücken oder Steinen sind eher optional, da diese Art sich sehr gerne vergräbt.
Bedeckung des Substrats mit Laub und Moos als Versteck.
Wasser in Form einer gefüllten Wasserschale sollte stets zur Verfügung stehen auch wenn die Art bisher noch nie beim Trinken beobachtet wurde.

Ernährung

  • Ein Jagdverhalten wurde bisher nicht beobachtet.
  • Gefressen werden abgetötete und reglose Insekten wie Schokoschaben, Heimchen, Steppengrillen, Mehlwürmer, subadulte Wanderheuschrecken

Geschlechtsbestimmung

Orya barbarica weist einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus auf: Männchen sind in der Regel etwa ein Drittel kleiner als die Weibchen, während Weibchen besonders im mittleren Körperbereich breiter wirken.

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal sind jedoch die Cerci:
Bei den Männchen sind sie deutlich verdickt, während sie bei den Weibchen etwa die Dicke der letzten Beinpaare besitzen.

Detailaufnahme Weichen
Schlanke Schleppläufe Schlanke Schleppläufe
Detailaufnahme Männchen
Wulstige Schleppläufe Wulstige Schleppläufe

Nachzucht

Über Verpaarung und Nachzucht liegen bisher keine Berichte vor.

Vermutlich spielen wechselnde klimatische Bedingungen eine entscheidende Rolle bei der Paarung und insbesondere bei der Eiablage.

Es konnte einmalig beobachtet werden, dass ein Männchen in Anwesenheit eines Weibchens feine Fäden absonderte bzw. “spinnte”. Vermutlich steht dieses Verhalten im Zusammenhang mit der Ablage oder Fixierung einer Spermatophore, kann jedoch bisher nicht abschließend bestätigt werden.

Es ist anzunehmen, dass Orya barbarica – wie viele andere Arten der Geophilomorpha – eine Form von Brutpflege zeigt. Wahrscheinlich bewacht das Weibchen die Eier, hält sie sauber und feucht und bleibt bis zum Schlupf bei ihnen.