Scolopendra morsitans

Beschreibung

Scolopendra morsitans ist die Typusart der Gattung Scolopendra und gilt als eine der anpassungsfähigsten und am weitesten verbreiteten Hundertfüßerarten. Sie besiedelt eine beeindruckende Bandbreite an Lebensräumen und kommt in unterschiedlichsten Habitaten vor – von ariden und semiariden Wüsten- und Steppengebieten bis hin zu tropischen Regenwäldern.
Entsprechend groß ist auch ihr Farbspektrum, das je nach Herkunft teils stark variiert und von rotköpfigen Braunformen über dunklere Varianten bis hin zu regionalen Ausprägungen mit bläulichen Beinringen reicht.

Aufgrund dieser enormen morphologischen und farblichen Variabilität besteht in der Wissenschaft der Verdacht, dass es sich bei S. morsitans möglicherweise um einen Artkomplex aus mehreren, noch nicht klar abgegrenzten Arten handeln könnte.

Je nach Herkunft und Lebensraum zeigt die Art zudem eine ausgeprägte unterirdische Phase, in der sie längere Trockenzeiten im Boden überdauert.

S. morsitans gilt als gut erforscht: Das Gift ist neurotoxisch, stark schmerzhaft und enthält unter anderem Serotonin, Proteine, Enzyme sowie Fettbestandteile. Diese Zusammensetzung ermöglicht nicht nur die rasche Lähmung der Beute, sondern unterstützt auch eine teilweise Vorverdauung außerhalb des Körpers, was die Nahrungsaufnahme deutlich erleichtert.

Scolopendra morsitans Scolopendra morsitans
Scolopendra morsitans Scolopendra morsitans

Überblick

Wissenschaftlicher Name: Scolopendra morsitans Linnaeus, 1758
Größe: 10-15cm
Verbreitung: Kosmopolitisch, Afrika, Asien (Süd- & Südostasien) sowie Australien; sie ist teils auch verschleppt und invasiv in anderen Gebieten
Klimazone: Tropisch–subtropisch, semiarid bis arid

Systematik

Stamm: Myriapoda
Klasse: Chilopoda
Ordnung: Scolopendromorpha
Familie: Scolopendridae
Unterfamilie: Scolopendrinae
Gattung: Scolopendra

Verhalten

Lebensweise: Überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag versteckt unter Steinen, Holz, Laub oder in Bodenritzen. Sie lebt bodenorientiert, kann aber graben und nutzt feuchte, geschützte Mikrohabitate als Rückzugsorte. S. morsitans vergräbt sich zeitweise über mehrere Monate und sollte in der Phase nicht gestört werden. (siehe Trockenphase)
Temperament: Eher defensiv und nicht übermäßig aggressiv. Bei Störung versucht sie meist zunächst die Flucht zu ergreifen. Wird sie jedoch bedrängt, zeigt sie eine konsequente Verteidigungsbereitschaft. Ein kräftiger Biss ist dann möglich, und die Art reagiert insgesamt sehr schnell.

Terrarienhaltung

Anspruch: Leichte Haltung
Geeignet für: Anfänger

Terrarium

Größe: 20x20x20cm oder 5,8l BraPlast Dose
Belüftung: Doppelbelüftung Vorsicht! Feine Gaze kann im Laufe derzeit durchbissen werden!

Substrat

Zusammensetzung: 50% Torf / 30% Lehm / 20% Sand
Substrathöhe: Mindestens 10cm
Substratfeuchtigkeit: Leicht feucht bis mäßig trocken, idealerweise mit einer feuchteren und einer trockeneren Ecke im Behälter. Behälter nicht komplett austrocknen lassen.

Klima

Moderate Simulation von trockenen und feuchten Phasen.
Trockenphase: 2–3 Monate, Substrat überwiegend trocken (aber mit gefüllter Wasserschale), etwas mehr Belüftung
Feuchtphase: Dauer: 2–3 Monate, Substrat insgesamt mäßig feucht, Luftfeuchte leicht erhöht
Temperatur: 22-25°C
Rel. Luftfeuchtigkeit: 70-80%

Dekoration

Versteckmöglichkeiten in Form von Rindenstücken oder Steinen sind eher optional, da diese Art sich sehr gerne vergräbt.
Bedeckung des Substrats mit Laub und Moos als Versteck und zur Haltung der Substratfeuchtigkeit.
Wasser in Form einer gefüllten Wasserschale sollte stets zur Verfügung stehen.

Ernährung

  • Steppengrillen
  • Schokoschaben
  • Mehlwürmer
  • Junge Waldschaben
  • Rosenkäfer und deren Puppen
  • Abgetötet werden auch größere Insekten angenommen

Geschlechtsbestimmung

Bei Scolopendra morsitans ist ein äußerlich erkennbarer Geschlechtsdimorphismus vorhanden. Als wichtiges Merkmal gelten die Prefemora des letzten Beinpaares (Schleppläufe): Bei Männchen findet sich hier meist eine deutlich ausgeprägte, längs verlaufende Leiste bzw. Kante, während diese bei Weibchen fehlt oder nur schwach angedeutet ist.

Detailaufnahme Weichen
Weibchen ohne Furche Weibchen ohne Furche
Detailaufnahme Männchen
Längstfurche beim Männchen Längstfurche beim Männchen

Nachzucht

Die Art gilt zwar als robust in der Haltung und zeigt einen gewissen Geschlechtsdimorphismus, jedoch ist über erfolgreiche Zuchten bislang nur wenig dokumentiert. Tiere im Handel sind daher in der Regel Wildfänge.

Vermutlich spielen wechselnde klimatische Bedingungen eine entscheidende Rolle bei der Paarung und insbesondere bei der Eiablage.