Scutigera coleoptrata

Beschreibung

Scutigera coleoptrata, der sogenannte Spinnenläufer oder Hausgeißelhundertfüßer, ist eine ursprünglich mediterrane Art, die sich heute weltweit in vielen Regionen etabliert hat, besonders in und um menschliche Siedlungen. Im nördlichen Mitteleuropa findet man sie vor allem in wärmeren Wärmeinseln und Gebäuden; Freilandvorkommen sind seltener und meist im Umfeld von Mauern oder Weinbergmauern anzutreffen.

Erwachsene Tiere sind meist gelblich-grau mit dunklen Längsstreifen am Körper und besitzen bis zu 15 Paar sehr lange, dünne Beine, die ihnen ein “spinnenartiges” Erscheinungsbild verleihen. Mit diesen langen Beinen können sie sich sehr schnell auf Böden, Wänden und Decken fortbewegen.
Im Freiland bevorzugt die Art feuchte, dunkle Orte unter Steinen oder Holz; in Häusern lebt sie vor allem in Kellern, Badezimmern oder anderen feuchten Bereichen.

Die Art besitzt giftige Forcipulen (modifizierte Vorderbeine) zur Beutefang- und Verteidigungsfunktion, das Gift ist jedoch für den Menschen im Normalfall nicht gefährlich. Bei Bedrohung kann Scutigera coleoptrata Beine gezielt abwerfen (Autotomie), um Feinde abzulenken. Die verlorenen Gliedmaßen wachsen bei folgenden Häutungen wieder nach.

Scutigera coleoptrata Scutigera coleoptrata
Scutigera coleoptrata Scutigera coleoptrata

Überblick

Wissenschaftlicher Name: Scutigera coleoptrata Linnaeus, 1758
Größe: Gesamtlänge bis 10-15cm, Köper max. 3–3,5cm
Verbreitung: Ursprünglich: Mittelmeerraum, Nordafrika, Westasien. Heute durch den Menschen weltweit verbreitet und mittlerweile in großen Teilen Europas, Nordamerikas sowie in weiteren warmen Regionen der Welt.
Klimazone: mediterran, warm-gemäßigte, subtrockene Regionen

Systematik

Stamm: Myriapoda
Klasse: Chilopoda
Ordnung: Scutigeromorpha
Familie: Scutigeridae
Gattung: Scutigera

Verhalten

Lebensweise: Überwiegend nachtaktiv; tagsüber versteckt unter Steinen, in Mauerspalten, unter Holz oder Laub
Temperament: Sehr scheu, nicht aggressiv und flüchtet normalerweise sofort, wenn sie gestört wird. Bei Bedrohung können Gliedmaßen gezielt abgeworfen werden (Autotomie).

Terrarienhaltung

Anspruch: Leichte Haltung
Geeignet für: Anfänger

Terrarium

Größe: 20x20x20cm oder 5,8l BraPlast Dose
Belüftung: Doppelbelüftung.

Substrat

Zusammensetzung: 50% Torf / 30% Lehm / 20% Sand
Substrathöhe: Unbedeutend da die Tiere nicht graben.
Substratfeuchtigkeit: Leicht feucht bis feucht. Die Tiere halten sich nur selten am Boden auf und nutzen lieber senkrechte Strukturen wie Wände. Das Substrat dient vor allem dazu, die Luftfeuchtigkeit zu stabilisieren und sollte deshalb nie vollständig austrocknen.

Klima

Winterabkühlung auf 12°C für 4-6 Wochen
Temperatur: 20-25°C
Rel. Luftfeuchtigkeit: 70-80%

Dekoration

Schräg aufgestellte und übereinander liegende Korkstücke um Verstecke und Klettermöglichkeiten zu schaffen.

Ernährung

  • Fliegen
  • Ofenfischchen
  • Kleine Heimchen
  • Kleine Steppengrillen

Geschlechtsbestimmung

Die Unterscheidung zwischen Männchen und Weibchen gelingt erst bei vollständig ausgewachsenen Tieren und in der Regel nur mithilfe einer Lupe oder eines Binokulars. Weibchen besitzen deutlich längere Gonopoden, die aus zwei Gliedern bestehen und die Afterregion deutlich überragen. Mit diesen Greiforganen werden die Eier während der Ablage fixiert und positioniert.

Schematischer Vergleich zwischen Männchen und Weibchen
Schematischer Vergleich zwischen Männchen und Weibchen Schematischer Vergleich zwischen Männchen und Weibchen

Nachzucht

Das Männchen produziert ein Spermatophor (eine kleine Samenpaket-Struktur), das es am Boden oder auf einer Oberfläche ablegt. Anschließend lockt oder führt es das Weibchen mit Fühler- und Beinbewegungen dorthin. Nimmt das Weibchen den Spermatophor mit ihrer Geschlechtsöffnung auf, erfolgt die Befruchtung. Danach legt das Weibchen die Eier einzeln, oft an geschützten, feuchten Stellen ab.

Die frisch geschlüpften Jungtiere sind extrem klein, weiß bis fast transparent und wirken zart. Sie erinnern durch ihre Größe und Blässe oft an Springschwänze mit längeren Gliedmaßen.

In den frühen Entwicklungsstadien ernähren sie sich vor allem von sehr kleiner Bodenfauna, insbesondere Springschwänzen und anderen winzigen Organismen.

Die Jungtiere besitzen zunächst weniger Beine als erwachsene Tiere und entwickeln mit jeder Häutung weitere Beinpaare. Sie durchlaufen mehrere Jugendstadien, bevor sie vollständig ausgebildet sind. Erst mit zunehmendem Alter färben sie sich gelblicher bis bräunlich und ähneln dann den typischen adulten Hausgeißeln.

Die Aufzucht der Jungtiere erweist sich als schwierig!

Erfahrungsberichte

Ein vorsichtiger Umgang mit den Tieren ist zu empfehlen, da Gliedmaßen leicht abbrechen bzw. abgeworfen werden. Diese können sich nach ein paar Häutungen wieder regenerieren.