Futter für Skolopender
Skolopender sind überwiegend karnivore, aktive Jäger. Zwar können viele Arten Beute überwältigen, die größer ist als sie selbst, dennoch darf das Verletzungsrisiko durch bestimmte Futtertiere nicht unterschätzt werden. Da Hundertfüßer in ganz unterschiedlichen Größen vorkommen und sich ihre Bedürfnisse während der Entwicklung vom Pedeling bis zum adulten Tier deutlich ändern, lohnt sich ein systematischer Blick auf geeignete Futterquellen.
Allgemeine Hinweise
Verletzungsrisiken
Einige Futtertiere können einen Skolopender ernsthaft verletzen – besonders große oder stark wehrhafte Beute wie kräftige Grillen, große Schabenarten (z. B. Gromphadorhina sp.) oder Wirbeltiere.
In Deutschland ist das Verfüttern lebender Wirbeltiere zudem gesetzlich verboten.
Nicht gefressene Futtertiere entfernen
Alle nicht gefressenen Futtertiere müssen spätestens am nächsten Tag entfernt werden, da sie Fäulnis, Schimmel und unerwünschte Begleitfauna wie Trauermücken und Buckelfliegen begünstigen.
Beste Fütterungszeit
Skolopender sind überwiegend nachtaktiv. Die ideale Fütterungszeit ist abends, da die Tiere dann sicherer jagen, besser fressen und weniger Stress ausgesetzt sind.
Nicht füttern bei Häutung oder Brutpflege
Frisch gehäutete Tiere sowie Weibchen, die ein Gelege bewachen, sollten nicht gefüttert werden. Sie fressen in dieser Zeit ohnehin nicht, und Beutetiere würden ein erhebliches Risiko darstellen.
Fütterung nach Größenstufen
Futter für Pedelings und juvenile Skolopender
Jungtiere sind oft nur wenige Zentimeter lang, noch nicht besonders kräftig und dadurch verletzungsanfällig. Hier eignen sich kleine und wenig wehrhafte Futterquellen – bevorzugt tot oder vorgetötet.
Geeignete Futtertiere:
- Mikro- und Mini-Heimchen
- Ofenfische (Thermobia domestica)
- Sehr kleine Schabennymphen (z. B. Pycnoscelus)
- Fliegenmaden (sparsam und einzeln anbieten)
- Drosophila / Terfly
Futter für kleine Hundertfüßer-Arten
Für kleine Hundertfüßer wie Rhysida spp., Otostigmus spp. eignen sich folgende Futtertiere:
- Heimchen (verschiedene Größen)
- Noch nicht ausgewachsene Mittelmeer und Steppengrillen
- Wachsmottenlarven
- Kleine bis mittelgroße Schaben
Futter für große Hundertfüßer-Arten
Größere Arten wie Scolopendra dehaani oder Scolopendra gigantea können entsprechend kräftigere Beute bewältigen:
- Große Schaben
- Wüstenheuschrecken
- Größere Mengen kleiner Insekten
Hinweise zu weiteren Möglichkeiten und Aspekten der Fütterung
Fleisch & Wirbeltiere
In Deutschland ist das Verfüttern lebender Wirbeltiere gesetzlich verboten.
Sehr große Arten können in der Natur kleine Wirbeltiere überwältigen – darunter Mäuse, Echsen, Schlangen, Frösche oder sogar Fledermäuse.
Für die Terrarienhaltung gilt jedoch:
- Keine lebenden Wirbeltiere verfüttern.
- Tiefgekühlte Mäuse (z. B. Babymäuse, Stinte) können gelegentlich angeboten werden.
- Nur sehr sparsam, da der primäre Nährstoffbedarf über Insekten gedeckt werden sollte.
- Rückstände immer sofort entfernen (Geruch, Keime, Schimmel).
Katzennassfutter
Hochwertiges Katzennassfutter mit hohem Fleischanteil (z. B. Animonda Carny, Macs) kann gelegentlich genutzt werden – besonders bei geschwächten, verletzten oder schlecht fressenden Tieren. Es eignet sich jedoch nicht als dauerhafter Hauptbestandteil der Ernährung.
Obst
Skolopender sind karnivor, aber besonders tropische Arten nehmen gelegentlich Obst an.
Belegt wurden z. B.: Banane und Papaya. Obst dient eher als Feuchtigkeits- und Energiequelle und sollte selten und wenn nur in kleinen Mengen angeboten werden.
Supplemente
Für Skolopender ist eine direkte Supplementierung (z. B. Pulver über das Futtertier) in der Regel weder notwendig noch besonders effektiv.
Hundertfüßer fressen häufig nur das Innere ihrer Beute und lassen chitinhaltige Außenpanzer liegen – genau dort würde das Pulver haften. Der zuverlässigste Weg, die Nährstoffversorgung sicherzustellen, ist daher das sogenannte Gut-Loading, also die hochwertige Ernährung der Futtertiere vor der Verfütterung.
Qualität der Futtertiere
Die Qualität der Futtertiere beeinflusst die Gesundheit des Skolopenders unmittelbar.
Unterernährte oder dehydrierte Grillen, Heimchen oder Schaben liefern kaum Nährwert und enthalten wenig Feuchtigkeit.
Besonders Transporttiere sind oft geschwächt und stark
ausgetrocknet – man erkennt dies daran, dass sie nach dem Umsetzen sofort große Mengen Wasser aufnehmen. Solche Tiere sollten erst aufgepäppelt werden, bevor sie verfüttert
werden.
Gut-Loading sollte daher Standard sein.
Futtertiere sollten abwechslungsreich gefüttert werden und stets Zugang zu Feuchtigkeit und einer nährstoffreichen Futtermischung haben. Ein entsprechendes Rezept wird im Kapitel “Futtermischung für Futtertiere” ausführlich beschrieben.
Für Halter mit mehreren Skolopendern lohnt sich die Einrichtung eigener Futtertierzuchten, etwa von Steppengrillen oder Schaben. Eigene Zuchten ermöglichen eine konsequent hochwertige Fütterung, senken langfristig Kosten und vermeiden Probleme, die durch schlecht gepflegte Händlerware entstehen