Lebensräume

Von feuchten Tropenwäldern bis zu trockenen Steppen reichen die Lebensräume, in denen sich Hundertfüßer erfolgreich etabliert haben. Diese Vielfalt ist einer der Gründe, warum sie auf fast allen Kontinenten – mit Ausnahme der Antarktis – vorkommen. Entscheidend für ihr Vorkommen ist weniger ein bestimmter Vegetationstyp als vielmehr das Vorhandensein von Verstecken, Feuchtigkeit und geeigneter Beute.

Boden- und Streuschichten

Der Großteil aller Chilopoden lebt bodennah. Typische Lebensräume sind:

  • Laub- und Humusschichten in Wäldern
  • lockere, feuchte Böden
  • unter Steinen, Totholz und Rinde
  • Erdspalten, Wurzelschichten und verrottendes Pflanzenmaterial

Vor allem Lithobiomorpha, Geophilomorpha und viele Scolopendromorpha sind stark an diese Mikrohabitate angepasst. Sie profitieren von konstanten Temperaturen, erhöhter Luftfeuchtigkeit und einem reichen Angebot an wirbelloser Beute.

Tropische und subtropische Lebensräume

In tropischen und subtropischen Regionen erreichen Hundertfüßer ihre größte Artenvielfalt und Körpergröße. Besonders Vertreter der Ordnung Scolopendromorpha besiedeln hier:

  • Regenwälder
  • Monsunwälder
  • tropische Trockenwälder
  • Savannen mit geeigneten Rückzugsorten

Arten der Gattung Scolopendra kommen hier in unterschiedlichsten Höhenlagen vor – vom Tiefland bis in montane Regionen. Entscheidend ist stets das Vorhandensein geschützter, feuchter Rückzugsräume.

Arboreale und semiarboreale Lebensräume

Obwohl Hundertfüßer überwiegend bodenbewohnend sind, haben sich einzelne Arten an das Leben in Bäumen angepasst. Diese finden sich:

  • unter loser Rinde
  • in Astgabeln
  • in Bromelien oder epiphytischen Pflanzen
  • in hohlen Stämmen

Besonders in tropischen Regionen zeigen einige Scolopendra-Arten nachweislich eine ausgeprägte Kletterfähigkeit und nutzen Bäume, Sträucher und Felswände regelmäßig als Struktur.

Semiaquatische Lebensräume

Einige wenige Arten haben sich an sehr feuchte oder sogar zeitweise überflutete Lebensräume angepasst. Dazu zählen:

  • Uferzonen von Bächen und Wasserfällen
  • feuchte Schluchten
  • tropische Flussläufe

Bekannte Beispiele sind Arten wie Scolopendra cataracta oder Scolopendra paradoxa, die aktiv in und am Wasser jagen. Diese Lebensweise ist innerhalb der Chilopoda jedoch die Ausnahme.

Trockene und saisonale Habitate

Auch in trockeneren Regionen wie Steppen, Halbwüsten oder saisonal austrocknenden Gebieten kommen Hundertfüßer vor. Dort leben sie meist sehr verborgen:

  • tief im Boden
  • in Felsspalten
  • unter Steinen oder in Erdbauen

Arten aus solchen Regionen sind häufig nachtaktiv und besitzen Strategien, um Trockenperioden zu überstehen.

Anpassungsfähigkeit als Schlüssel zum Erfolg

Die enorme ökologische Bandbreite der Chilopoda zeigt, wie anpassungsfähig diese Tiergruppe ist. Vom tropischen Regenwald über gemäßigte Wälder bis hin zu semiariden Zonen haben Hundertfüßer nahezu jeden terrestrischen Lebensraum erfolgreich besiedelt.
Unterschiede in Körperbau, Aktivitätsrhythmus und Mikrohabitatnutzung spiegeln diese Anpassungen wider und erklären die große Vielfalt innerhalb der Gruppe.