Hundertfüßer in Medizin und Forschung

Traditionelle Medizin

Hundertfüßer werden seit Jahrhunderten in verschiedenen traditionellen Medizinsystemen genutzt. Entsprechende Belege existieren unter anderem aus China, Indien, Vietnam, Südkorea und Japan1. In der traditionellen chinesischen Medizin wird vor allem Scolopendra mutilans verwendet, meist in getrockneter Form1.

Viele dieser historischen Anwendungen sind aus heutiger Sicht kritisch zu bewerten. Dennoch deuten neuere experimentelle Studien darauf hin, dass bestimmte Bestandteile der Gifte pharmakologisch wirksam sein könnten. Diskutiert werden unter anderem entzündungshemmende Effekte sowie mögliche Anwendungen bei chronischen Schmerzen oder Gelenkerkrankungen. Diese Ansätze befinden sich jedoch weiterhin im Forschungsstadium.

Moderne Medizin und Forschung

Lange Zeit galten Skolopendergifte als kaum untersucht. Erst in den letzten Jahren hat das wissenschaftliche Interesse deutlich zugenommen. Fortschritte in Molekularbiologie und Analytik ermöglichen erstmals detaillierte Einblicke in die Zusammensetzung der Toxine12.
Untersucht werden unter anderem antimikrobielle, insektizide und neuroaktive Komponenten, insbesondere aus dem Gift von Scolopendra mutilans. Auch einzelne Proteine wie ShSPI aus Scolopendra hainanum stehen im Fokus biomedizinischer Forschung3. Konkrete medizinische Anwendungen existieren bislang jedoch nicht.

Weitere Informationen zur Wirkung und medizinischen Einordnung finden sich im Kapitel “Gift und Toxizität”.

Allgemeiner Forschungsstand

Bereits Lewis stellte 1972 fest, dass Hundertfüßer der Familie Scolopendridae in der biologischen Forschung vergleichsweise wenig Beachtung gefunden haben. Diese Einschätzung ist in weiten Teilen bis heute gültig.

Zahlreiche Artbeschreibungen beruhen auf Einzelindividuen oder weisen widersprüchliche Merkmale auf. Erst seit relativ kurzer Zeit werden molekulargenetische Methoden eingesetzt, um systematische Fragen zu klären. Dennoch bleiben Biologie, Ökologie und Toxikologie vieler Arten weiterhin unzureichend erforscht.