Stichunfälle

Obwohl Hundertfüßer überwiegend verborgen in natürlichen Lebensräumen wie Wäldern, Felsspalten oder Höhlen leben, kommt es regelmäßig zu Berührungspunkten mit dem Menschen. Einige Arten, etwa Scolopendra cingulata, treten vergleichsweise häufig in Siedlungsnähe auf und können gelegentlich auch in Häuser oder auf Grundstücke gelangen.
Einzelnen Arten wie Parotostigmus rex oder Scolopendra gracillima wird sogar eine gewisse Standorttreue zu menschlichen Behausungen nachgesagt.

Entsprechend sind Stichunfälle keine Seltenheit. Allein in der Türkei werden jährlich schätzungsweise rund 5.000 Skolopenderstiche in Krankenhäusern behandelt1. Da Hundertfüßer dort allgemein nicht als besonders gefährlich gelten, wird von einer hohen Dunkelziffer unbehandelter Fälle ausgegangen. Auch aus anderen Regionen, etwa São Paulo (Brasilien)2 oder Hongkong3, liegen Berichte über mehrere hundert behandelte Stichverletzungen vor, allerdings bezogen auf längere Zeiträume von etwa zehn Jahren.

Selbst in Mitteleuropa kommt es vereinzelt zu Vorfällen: So wurde 2017 in Deutschland ein Stich durch Scolopendra morsitans dokumentiert4, nachdem das Tier vermutlich als “blinder Passagier” aus dem Urlaub eingeschleppt worden war.

Weitere Informationen zur Wirkung und medizinischen Einordnung finden sich im Kapitel “Gift und Toxizität”.