Systematik und Taxonomie
Hundertfüßer gehören zum Unterstamm Myriapoda (Vielfüßer), zu dem neben ihnen auch die Diplopoda (Doppelfüßer/Tausendfüßer), Pauropoda (Wenigfüßer) und Symphyla (Zwergfüßer) zählen. Im Deutschen führt das häufig zu Missverständnissen: Der Begriff „Tausendfüßer“ wird oft pauschal für alle Myriapoden verwendet, obwohl er biologisch nur für die Diplopoda korrekt ist. Hundertfüßer (Chilopoda) sind also eine eigene Klasse innerhalb der Vielfüßer.
Die Klasse Chilopoda
Hundertfüßer sind nicht gleich Hundertfüßer. Die Chilopoda umfassen fünf deutlich unterschiedliche Ordnungen, die sich in Morphologie, Lebensweise und Verbreitung klar unterscheiden:
- Scutigeromorpha – Spinnenläufer
- Lithobiomorpha – Steinläufer
- Craterostigmomorpha – sehr kleine Ordnung, nur wenige Arten in Neuseeland und Tasmanien
- Geophilomorpha – Erdläufer
- Scolopendromorpha – Riesenläufer
In Deutschland trifft man vor allem Vertreter der Lithobiomorpha und Geophilomorpha im Garten oder Wald. Arten der Scutigeromorpha sowie insbesondere die Scolopendromorpha sind dagegen nur in bestimmten Regionen nachweisbar.
“Skolopender” – was bezeichnet der Begriff eigentlich?
In der Terraristik sind vor allem die imposanten Riesenläufer (Ordnung Scolopendromorpha) bekannt. Häufig wird der Begriff “Skolopender” pauschal für sie verwendet. Wichtig ist jedoch:
- “Skolopender” meint nicht nur die Gattung Scolopendra
- es bezeichnet nicht Hundertfüßer allgemein
- vielmehr ist es der Trivialname für Vertreter der Ordnung Scolopendromorpha
In der Haltung stammen die meisten Tiere aus der Familie Scolopendridae, vor allem aus den Gattungen Scolopendra, Alipes, Ethmostigmus und Rhysida, gelegentlich auch Otostigmus oder Cormocephalus.
Die Ordnung Scolopendromorpha
Die Ordnung Scolopendromorpha ist ausgesprochen vielfältig. Die kleinsten Arten erreichen nur etwa 10 mm, die größten über 30 cm. Viele besitzen seitlich am Kopf mehrere Ocelli, die oft zu Augenfeldern angeordnet sind. Es existieren jedoch auch Familien ohne Ocelli, sowie die kleine Familie Mimopidae, deren Vertreter pro Kopfseite nur ein einzelnes Auge besitzen.
Auch die Anzahl der Beinpaare variiert:
- die meisten Arten: 21 Beinpaare
- Gattung Scolopendropsis: meist 23 Beinpaare
- außergewöhnlich: Scolopendropsis duplicata mit variablen 39–43 Beinpaaren – einzigartig innerhalb der Ordnung
Hinzu kommen taxonomische Besonderheiten: Ehemalige Stämme wie Scolopendrini, Asanadini und Arrhabdotini werden derzeit wissenschaftlich diskutiert und ihre Systematik fortlaufend überarbeitet. Dadurch befindet sich die Einordnung einzelner Gattungen immer wieder im Wandel.
Wissenschaftliche Namen – nicht “nur Latein”
Die biologischen Artnamen folgen dem von Carl Linnaeus (1707–1778) eingeführten binären Nomenklatursystem. Jede Art erhält einen zweiteiligen Namen aus Gattung und Art, häufig basierend auf lateinischen oder griechischen Begriffen. Viele Namen sind jedoch „lateinisierte“ Kunstwörter, die nach Orten (Scolopendra japonica) oder Personen (Scolopendra dawydoffi) benannt sind. Es handelt sich daher nicht um reines Latein, sondern um wissenschaftlich standardisierte Kunstbegriffe.