Toxizität von Skolopendern
Um das Gift von Skolopendern ranken sich zahlreiche Mythen. Häufig wird Hundertfüßern nachgesagt, sie seien extrem gefährlich oder gar tödlich. Wissenschaftliche Untersuchungen zeichnen jedoch ein deutlich differenzierteres Bild.
Allein in der Türkei werden jährlich rund 5.000 Skolopenderstiche in Krankenhäusern behandelt. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, da Skolopender dort allgemein nicht als besonders gefährlich wahrgenommen werden und viele Stichverletzungen gar nicht gemeldet werden1. Auch Studien aus anderen Regionen, etwa aus São Paulo (Brasilien)2 oder Hongkong3, kommen zu dem Ergebnis, dass sich die medizinische Behandlung in der Regel auf Wundversorgung und Schmerztherapie beschränkt.
Mehrere Untersuchungen kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass ein Skolopenderstich grundsätzlich nicht tödlich ist4. Der überwiegende Teil der Symptome beschränkt sich auf lokale Schmerzen (ca. 71 %). In weniger als 10 % der Fälle treten systemische Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Brustschmerzen oder Herzrasen auf3. Schwere systemische oder lokale Komplikationen werden als selten eingestuft4. Zudem zeigen Beobachtungen aus der Natur, dass Skolopender bei Begegnungen mit Menschen eher zur Flucht neigen als zum Angriff.
Trotz einiger bedeutender Fortschritte in der Erforschung von Skolopendergiften ist deren Zusammensetzung bis heute nur teilweise verstanden. Viele funktionelle Eigenschaften der Giftbestandteile sind bislang nicht vollständig charakterisiert5.
Wichtige Aspekte in der Toxizität von Skolopendern
Hundertfüßer haben ausgeprägte Giftapparate. Mit diesen umgewandelten Beinpaar injizieren sie einen Giftcocktail in ihre Beute.
Nach einem Stich sind die Symptome sehr unterschiedlich, von lokalen Schmerzen hin zu systemischen Effekten. Therapie-Empfehlungen reichen von Schmerzmitteln und Wundversorgung hin zu Antibiotika und Tetanusschutz.
In der Wissenschaft steht die Forschung um das Gift von Hundertfüßern noch ganz am Anfang, bekommt aber zunehmende Bedeutung.
2004 - Serinken, Erdur, Sener, Kabay, Cevik - A Case of Mortal Necrotizing Fasciitis of the Trunk Resulting From a Centipede (Scolopendra moritans) Bite ↩︎
1998 - Knysak, Martins, Bertim - Epidemiological aspects of centipede (Scolopendromorphae: Chilopoda) bites registered in greater S. Paulo, SP, Brazil ↩︎
2011 - Fung, Lam, Wong - Centipede bite victQims: a review of patients presenting to two emergency departments in Hong Kong ↩︎ ↩︎
2015 - Undheim, Fry, King - Centipede Venom: Recent Discoveries and Current State of Knowledge ↩︎ ↩︎
2022 - Yadav, Upadhyay - Centipede Venom Toxins and its Biomedial and Pharmacological Properties ↩︎