Zusammensetzung der Gifte

Die Giftzusammensetzung von Hundertfüßern war lange Zeit weitgehend unbekannt. Erst moderne Methoden wie Hochdurchsatz-Sequenzierung und Massenspektrometrie ermöglichten detailliertere Einblicke1. Skolopendergifte bestehen aus einer Vielzahl biochemisch und pharmakologisch aktiver Komponenten2.

Für Scolopendra dehaani wurden beispielsweise über 1.100 genetische Sequenzen identifiziert, die für mehr als 500 unterschiedliche Proteine codieren, darunter das sogenannte „Spooky Toxin“ (SsTx)3. In Scolopendra hainanum wurde das Protein ShSPI entdeckt4. Andheim (2015) beschreibt zudem mindestens elf Enzymklassen aus den Giften von Scolopendromorpha und Scutigeromorpha, die vermutlich der Vorverdauung der Beute dienen1.

Zu den bekannten Giftbestandteilen zählen zytotoxische Peptidtoxine5, antimikrobielle und antikarzinogene Substanzen2, analgetische Peptide2, insektizide Moleküle2 sowie zahlreiche weitere myotoxische und neurotoxische Komponenten2. Zusätzlich wurden Serotonin, Histamin und allergenbezogene Proteine nachgewiesen, die allergische Reaktionen auslösen können12.

Eine einheitliche “Standardzusammensetzung” existiert jedoch nicht: Jede Skolopenderart besitzt ein artspezifisches Giftprofil mit teilweise einzigartigen Eigenschaften. Die Forschung steht hier noch ganz am Anfang.